EUTOPIA
Im Sommer des Jahres 1995 steht die Stadt Potsdam, in der Nähe von Berlin, Modell für eine europäische Utopie: Künstler und Stadtbewohner streben nach ihrer Verwirklichung, genau 50 Jahre nachdem die alliierten Führer dort konferierten. Mit mehr als 150 geladenen Künstlern wird Eutopia das wichtigste Kunstereignis im Bundesland Brandenburg. Unterstützt von Fonds und Sponsoren aus verschiedenen Ländern, verändert sich Potsdam in einen Versuchsgarten für die Zukunft.

Seit 1993 entwickelt Rob Schrama Pläne um diese ehemalige ostdeutsche Stadt zum kulturellen Mittelpunkt Europas zu machen. Er arbeitete dabei eng zusammen mit Behörden und Bürgern. Er suchte auch Kontakt mit Künstlern aus aller Welt um Ideen zu entwickeln, um mit den Bewohnern Potsdam in ein „Gesamtkunstwerk“ zu verändern. Auf dieser Seite bekommen Sie eine kleine Impression dessen, was während der 17 Tage Eutopia in Potsdam alles stattfand.

Die Eröffnung von Eutopia findet auf der Glienicker Brücke statt, die Potsdam mit Berlin verbindet. Der amerikanische Künstler Fred Stern kreiert mit Hilfe eines Löschboots der Berliner Feuerwehr einen Regenbogen, der in einem Wasserfest auf der Brücke endet, eine Sintflut über Potsdam, mit Tänzern und Exoten der Amsterdammer Ballongesellschaft.


 

 

Eine Woche lang bauen Künstler der Amsterdammer Ballongesellschaft an einem Turmbau zu Babel; einer 12 Meter hohen Konstruktion, angefertigt aus Paletten und Abfallholz. Sie tun das auf dem Gelände der ehemaligen Garnisonskirche. Im Jahr 1933 entschied Hitler sich für diese Kirche um zum Reichskanzler gewählt zu werden. Im 2. Weltkrieg wurde diese Kirche verwüstet, jedoch seit der Wiedervereinigung Deutschlands ist die Rede von einem möglichen Wiederaufbau. Mit dem Turmbau zu Babel will die Amsterdammer Ballongesellschaft den entweihten Boden von seiner verschmutzten Vergangenheit reinigen und den Blickwinkel der Potsdammer für eine neue Bestimmung dieses Geländes öffnen. Der Turmbau zu Babel endet in einer Vorstellung, wobei die Arbeiter durch Sklaventreiber geschändet werden und der Arbeitsplatz sich in ein makaberes Schauspiel verändert, wo Scheusale, Huren, Hexen und Feuerspucker die armen Arbeiter in den Wahnsinn und auseinander treiben. Mit einem donnernden Feuerwerk wird am Schluss dieser Turm von seiner babylonischen Sprachverwirrung, vom Unverständnis und Kriegstreiben befreit. Das Böse ist besiegt und das Publikum wird eingeladen um zusammen mit den Künstlern den Boden der ehemaligen Garnisonskirche tanzend für eine neue Zukunft einzuweihen.

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Der niederländische Gesangspädagoge Geert van Tijn gibt öffentlichen Gesangsunterricht an die Potsdammer Bevölkerung.



Der niederländische Medienkünstler Willem de Ridder verdunkelt ein leerstehendes Haus zu einem „Dark-Room“, den man nur mit einem Casettenrecorder betreten darf, der den Besucher mitnimmt in ein spannendes Abenteuer.

In Zusammenarbeit mit der Universität von Potsdam wird im St. Josephkrankenhaus das Projekt Kunst und Heilung ausgeführt, nach einer Idee des Amerikaners Naj Wikoff. Die an Eutopia teilnehmenden Künstler gehen mit Patienten, Personal und Besuchern dieses Krankenhauses an die Arbeit mit allerlei Arten von Kunst, um ihnen die heilende Wirkung davon erfahren zu lassen.
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Die amerikanische Celebrationkünstlerin Marilyn Wood organisiert in den Gärten des holländischen Viertels ein grosses nächtliches Fest, zusammen mit Neureichen und Hausbesetzern.
Marilyn Wood
Der Berliner Künstler Rolf Langelbartels organisiert überall in Potsdam seine „Tischkonzerte“, ein Zusammenspiel zwischen Computer und Teilnehmern. Jeder Spieler am Tisch bekommt eine Nummer. Der Computer gibt eine willkürliche Aufzählung von Nummern und deren Spieldauer an. Sobald ein Teilnehmer an der Reihe ist, produziert er ein spezielles eigenes Geräusch. Es entsteht ein besonderes Klangkonzert, das auf grosse Heiterkeit beim Publikum rechnen kann.
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In der wichtigsten touristischen Attraktion van Potsdam, dem Sanssoucipark, organisiert das Berliner Büro für ungewöhnliche Massnahmen eine Aktion: vor dem Eingang des Parks stehen eine Anzahl von „Parkwächtern“ die die Touristen mit einem grossen Schild auf die „neuen“ Verordnungen vor dem Betreten des Parks aufmerksam machen: jeder Tourist muss beim Betreten des Parks über seine Schuhe ein Paar sterile Schutzpantoffeln anziehen. Damit wird verhindert dass die Besucher den gefährlichen Pflanzenbazillus „Floraglittus“ auf den Park übertragen.
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